"Das kann ich besser" – Anuschkas Weg zur Moderatorin für Functional Fitness

Anna-Lena Kümpel
von Anna-Lena Kümpel

Aus der Crossfit-Box ins Rampenlicht: Anuschka Clasen gibt im Interview exklusive Einblicke in die Moderation der Functional Fitness Szene. Nachdem sie angefangen hatte, Functional Fitness Wettkämpfe zu moderieren, ist sie rasend schnell zu einer echten Größe in der Szene geworden. Heute steht sie - ikonisch mit Sidecut und Regenbogen-Augebraue - regelmäßig als Moderatorin auf Wettkämpfen oder in Livestreams. Ihr starkes Netzwerk nutzt sie dazu, mit STRONGEST. einen eigenen Wettkampf von Frauen für Frauen aufzubauen. Im Interview erzählt sie von ihrem Start, dem Wert des Netzwerkens und gibt großartige Tipps für alle, die eine neue Nische erschließen wollen.


Anna-Lena: Du moderierst eine ganz andere Art von Veranstaltung als ich – was genau machst du und in welchem Bereich bist du unterwegs?

Anuschka: Mein Fokus liegt auf der Functional Fitness Szene. Viele kennen es unter dem Markennamen CrossFit, aber Functional Fitness ist der übergeordnete Begriff. Es gibt zahlreiche Wettkampfformate, in denen ich aktiv bin. Sowohl als „Master of Ceremony“ auf dem Floor, als auch in Interviews und als Kommentatorin im Livestream. Eine bunte Mischung.


Ich vermute, die meisten meiner Leser:innen waren noch nie auf einem Functional Fitness Wettkampf. Wie genau sehen diese Wettkämpfe aus?

Meistens sind wir in größeren Hallen, manchmal auch draußen. In der Mitte ist der Wettkampfbereich – der sogenannte Floor. Dort arbeiten acht bis zwanzig Athletinnen und Athleten gleichzeitig Aufgaben ab. Sie starten auf nebeneinanderliegenden "Lanes" und müssen bestimmte Workouts absolvieren. Wie im Zehnkampf gibt es verschiedene Disziplinen, in denen Punkte gesammelt werden. Wer am Ende die meisten Punkte hat, gewinnt.


Und wie kam es, dass du das überhaupt machen wolltest?

Ich mache selbst den Sport, habe aber schnell gemerkt: Ich will nicht selbst an Wettkämpfen teilnehmen. Ich habe aber natürlich trotzdem Livestreams von Wettkämpfen geschaut und meine Lieblingsathletin verfolgt. Und ich war immer wieder frustriert, dass in einigen Livestreams so schlecht kommentiert wurde, dass ich nicht gut verfolgen konnte, was gerade passiert. Irgendwann hab ich gedacht: Das kann ich besser.


In der Modschool geht es ja um die wirtschaftliche Seite von Moderation: Wie funktioniert die Business-Nische Functional Fitness?

Es ist eine kleine, stark vernetzte Szene. Der Einstieg war das Schwierigste. Ich wollte rein, wusste aber nicht wie. Vieles basiert auf freiwilliger Arbeit. Selbst für ehrenamtliche MC-Jobs ist es schwer, reinzukommen, weil oft nur bekannte Leute engagiert werden. Vor fünf bis zehn Jahren, als die Szene angefangen hat groß zu werden, wurde überwiegend Männern auf einmal Mikrofon in die Hand gedrückt und gesagt: Hey, du redest doch gerne, mach das mal." Die sind dann groß geworden in der Szene. Und dann war der Markt gesättigt. So viele brauchte es nicht. Das ist tatsächlich die Origin Story von, ich glaube, jedem größeren Moderator in der Szene, den ich bisher kennengelernt habe.


Wie hast du es geschafft, da reinzukommen?

Ich habe vor ungefähr zwei Jahren entschieden, dass ich gern in dieser Szene moderieren möchte und habe mich umgeschaut, welche Wettkämpfe es eigentlich gibt und angefangen, mit vielen Menschen zu sprechen und Wettkämpfe anzuschreiben. Die Functional Fitness Box, in der ich selbst trainiere, gehört zum Glück einer Top-Athletin, die mich am Anfang unterstützt hat. Sie konnte ich als Referenz nutzen und sie hat mich an einigen Stellen empfohlen.

Mein erster Auftrag war dann direkt die Deutsche Meisterschaft. Die haben Freiwillige gesucht. Und eigentlich war das Moderationsteam schon voll. Ich habe das dann trotzdem geschafft, mich da reinzuverhandeln und habe - zum Glück - einen guten Job gemacht. Das wurde gesehen. Dadurch wurde ich von weiteren Wettkämpfen angesprochen und konnte bei meiner Akquise ab sofort erzählen, dass ich schon die Deutsche Meisterschaft moderiert hatte. Es ist wie eine Lawine, die ins Rollen kam.


Dafür musstest du aber auch ordentlich investieren, oder?

Für meinen ersten Auftrag habe ich draufgezahlt: Anreise nach Berlin, Unterkunft, Verpflegung. Ich habe 600 bis 700 Euro investiert, um dort zu sein. Aber es hat sich gelohnt. Ich wurde dort gesehen und bekam dadurch weitere Aufträge. Sichtbarkeit ist mein größtes Kapital. Mit jedem neuen Auftrag konnte ich meinen Tagessatz ein wenig anpassen. Inzwischen liege ich bei mindestens 400 Euro pro Tag.


Das ist in dieser Szene, die viel mit Freiwilligen und Aufwandsentschädigungen arbeitet, beachtlich. Wie hast du diese Tagessätze in dieser Umgebung verhandelt?

Ich bin sehr transparent: Ich sage, was mein Tagessatz ist, aber biete Veranstaltern an, mir zu sagen, was sie zahlen können. Dann schauen wir, ob es passt. Es geht mir nicht darum, möglichst viel Geld aus jedem Auftrag zu holen, sondern ums faire Miteinander. So baue ich Vertrauen auf.


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Ich habe dich ja schon moderieren sehen und ich habe den Eindruck, dein Stil hebt sich in der Szene auch ab.

Die Moderationsarbeit auf unseren Wettkämpfen hatte lange hauptsächlich die Aufgabe, Start und Stopp zu sagen und gute Laune beim Publikum zu machen. Das sind zwar wichtige Aufgaben, aber mir reicht das nicht. Mein Stil ist es, zu kommentieren, was passiert und einen Überblick für alle zu schaffen. So, wie das in den meisten anderen Sportarten auch ist. Functional Fitness Wettkämpfe sind nicht so übersichtlich wie ein Wettrennen, bei dem man genau sehen kann, wer gerade vorne läuft. Bis zu 20 Athlet:innen arbeiten gleichzeitig verschiedene Aufgaben ab und müssen zum Teil mehrere Runden oder eine bestimmte Anzahl an Wiederholungen der gleichen Übung machen. Für die Zuschauer ist es total herausfordernd, da den Überblick zu behalten und auf dem Schirm zu haben, wer gerade eigentlich vorne liegt oder wer sich ein Kopf an Kopf Rennen liefert. Ich behalte das im Blick und gebe das so weiter, dass das Publikum auch mitbekommt, was gerade Spannendes auf dem Floor passiert.


Und inzwischen bist du als Moderatorin nicht nur auf dem Floor, sondern moderierst auch Livestreams und führst Interviews. Wie kam das?

Wenn du mich vorher gefragt hättest, hätte ich dir gesagt: Streaming ist nicht meins. Ich brauche den Kontakt zu den Menschen. Und dann saß ich plötzlich mal im Livestream und hab gemerkt: Das finde ich mindestens genauso toll, wie auf der Fläche zu sein.

Mit den Interviews ging es mir ähnlich. Ich stand mir da am Anfang selbst im Weg, weil ich das nicht gewohnt war und immer angst hatte, den Athlet:innen nicht gerecht zu werden und ihnen nicht die Wertschätzung entgegen bringen zu können, die sie in meinen Augen verdienen.

Dann hatte ich einen Auftrag, bei dem ich über mehrere Events hinweg 60 Kurzinterviews führen musste. Und ich liebe es.


Das passt ja auch sehr gut zu meiner Botschaft: Du kannst ganz viel Theorie lernen und Kurse machen und Bücher über Moderationsmethoden lesen. Irgendwann musst du rein in die echte Situation und da lernst du dann WIRKLICH, wie es für dich funktioniert.

Was hat es mit deinem Business gemacht, dass du zwei weitere Arten von Moderation gelernt hast?

Ich konnte meinen USP darüber noch weiter schärfen. Ich werde eben nicht nur gebucht, um auf der Fläche zu moderieren, sondern bin für meine Auftraggeber multifunktional einsetzbar. Mittlerweile werde ich sogar gebeten, Moderationsteams auf größeren Veranstaltungen zu organisieren und zu leiten, weil ich alle relevanten Bereiche abdecken kann.


Du hast vorhin schon von der "Lawine" gesprochen, in der jeder Auftrag wieder zu neuen Aufträgen führt, weil potenzielle Kund:innen dich beim Moderieren sehen und dich dann auch für ihre Wettkämpfe buchen. Das klingt ein bisschen, als würde das einfach so passieren. Tust du da auch aktiv was für?

Da kommt mir zugute, dass ich mein ganzes Leben lang schon Netzwerke aufbaue und mich schon in verschiedenen Bereichen als Marke aufbaue. Ich bin hauptberuflich ja Informatikerin und arbeite im Projektmanagement einer Beratung. Da ist es ein Teil meines Jobs, mich immer selbst zu vermarkten.

In der Fitness-Szene führe ich viele Gespräche und lasse immer mal wieder am Rande einfließen, dass ich Moderatorin bin und was ich alles leisten kann. Außerdem bringe ich mittlerweile viele Kontakte mit, weil ich mich zum Beispiel mit guten Dienstleistern für den Livestream vernetzt habe, gute Videograf:innen, Fotograf:innen und Organisator:innen kenne und empfehlen kann. Und diese Menschen empfehlen auch mich gerne, weil wir gut zusammenarbeiten.

Außerdem arbeite ich mittlerweile auch ehrenamtlich beim Deutschen Bundesverband funktionaler Fitness mit und bin auch hier total viel in Kontakt mit verschiedenen Menschen in der Szene.

Grundsätzlich achte ich einfach darauf, Menschen immer wieder daran zu erinnern, dass ich existiere und welchen Job ich mache.


Dazu nutzt du auch Instagram ziemlich clever. Obwohl du keine riesige Anzahl an Follower:innen hast, habe ich den Eindruck, dass die Menschen, die dir folgen, ziemlich relevant für dein Business sind. Wie funktioniert das?

Das ist gar nicht mein Lieblingsthema. Ich bin keine Influencerin und will auch keine werden. Trotzdem habe ich meinen öffentlichen Instagram-Kanal direkt an dem Tag erstellt, an dem ich entschieden habe, Moderatorin zu werden. Instagram ist das zentrale Medium unserer Szene. Die Wettkämpfe werden dort angekündigt; Die Leute filmen teilweise ihre Qualifikationsvideos ab und laden sie dort hoch; Darüber läuft die gesamte Werbung. Deshalb musste ich dorthin. Aber ich habe es gehasst, Fotos von mir zu machen oder zu zeigen.


Mittlerweile sehe ich dein Gesicht aber häufig auf dem Kanal. Wie hast du dich dahin entwickelt, dass sich das gut anfühlt?

Ganz am Anfang hast du mit deine Fotografin Sophie Azimpour empfohlen und wir haben ein gemeinsames Fotoshooting gemacht. Die Bilder sind toll geworden und ich hab mich bei Sophie total wohl gefühlt. Das hat mir unglaublich geholfen, mich bis heute wohler zu fühlen, wenn Bilder von mir gemacht werden. Aber in den Stories zeige ich immer noch lieber meinen Kater Hektor als mich selbst.


Wie nutzt du den Kanal für dein Business?

Ich kündige mittlerweile immer an, auf welchen Wettkämpfen ich sein werde und verhandle mit meinen Auftraggebern meistens auch, dass wir im Vorhinein einen Colab-Post machen, in dem sie mich als Moderatorin ankündigen. Und ich zeige den Prozess hinter einer Moderation. Man kann verfolgen, wie ich mich vorbereite und bekommt den Reminder: Anuschka moderiert Fitness-Events. Für mich ist Instagram eher eine Visitenkarte.

Die wichtigste Funktion ist aber die Recherche und der Austausch mit der Szene. Ich folge vielen Wettkämpfen und Athlet:innen und weil es keine zentralen Datenbanken für unseren Sport gibt, suche ich mir auf den Instagram-Accounts selbst Informationen zusammen, die ich für die Moderation nutzen kann. Wenn ich in der Vorbereitung für einen Wettkampf bin, poste ich oft auch Fragesticker in die Story und bitte die teilnehmenden Athlet:innen, mir nochmal einen Funfact über sich oder ihre Lieblingsübung oder solche Dinge zu erzählen. Das klappt oft sehr gut.

So entsteht ein Austausch und ich bin in gutem Kontakt mit den relevanten Menschen der Szene.


Wo steht dein Business jetzt gerade?

Ich habe es geschafft, in der Szene so bekannt zu werden, dass ich mittlerweile von Wettkämpfen angeschrieben werde, ob ich dort moderieren will. Und ich habe mir dieses Jahr ein paar kleinere Wettkämpfe ausgesucht, die ich gerne mal machen wollte und habe sie angeschrieben. Die Reaktionen waren alle sehr positiv, weil die Leute schon wussten, wer ich bin und meine "Kaltakquise" eigentlich eher eine "Warmakquise" war. Und die Marke hilft mir, neue Märkte zu erschließen. Ich habe ja schon international gearbeitet und habe irgendwann einfach mal einen niederländischen Wettkampf angeschrieben. Durch die ganzen Referenzen aus Deutschland ging das Gespräch unglaublich schnell und ich habe die Moderation ohne langes Hin und Her bekommen. Mittlerweile habe ich nicht nur in den Niederlanden gearbeitet, sondern auch in Budapest, in der Schweiz und in Australien.

Außerdem habe ich ein großes Netzwerk aufgebaut und mein Herzensthema in der Functional Fitness Szene gefunden: Ich gründe mit STRONGEST. einen Wettkampf von Frauen für Frauen, um Sportlerinnen und den vielen tollen Frauen in der Szene eine Bühne zu geben.


Das ist eine fantastische Entwicklung. Wie geht es für dich weiter?

Ich möchte mich ein bisschen aus meiner Nische raus entwickeln. Dafür erschließe ich neue Märkte, wie die Niederlande. Und ich schaue mir andere Sportbereiche an. Ich habe zum Beispiel die erste Moderation bei einem Strongman Highland Games Wettkampf. Hier wende ich die gleiche Strategie an, wie in der Functional Fitness Szene: Ich starte erstmal damit, das kostenlos zu machen und entwickle mich dann. Außerdem strecke ich meine Fühler gerade Richtung Pole Dance aus.

Ich glaube, ich habe versehentlich eine sehr gute Strategie angewandt und mir für den Anfang eine kleine Nische gesucht, in der ich schnell wachsen konnte. Aber natürlich ist es auch riskant, nur in dieser Nische zu bleiben. Wenn eine so kleine Sportart zum Beispiel mal ein Tief bei den Sponsorengeldern für die Wettkämpfe hat, ist schnell kein Geld mehr für Dienstleisterinnen wie mich da und meine Aufträge könnten wegbrechen. Deshalb stelle ich mich diverser auf.


Zum Abschluss: Was empfiehlst du Leuten, die neu in die Moderation einsteigen?

Startet nicht sofort hauptberuflich, damit ihr am Anfang nicht von dem Geld abhängig seid, dass ihr damit verdient. Es dauert einfach, bis man ein stabiles Business aufgebaut hat. Für mich persönlich wird das vermutlich ein Nebenberuf bleiben, weil ich nicht glaube, dass in meinen Nischen genug Geld steckt, um mich damit komplett zu finanzieren. Das ist für mich aber auch nicht das Ziel. Ich liebe es, das nebenberuflich zu machen.

Und lernt, euch auf der Bühne wohlzufühlen. Dafür müsst ihr euch immer mal wieder auf verschiedene Bühnen trauen. Egal ob ihr mal ein Meeting moderiert oder einen Workshop oder einen Fitnesskurs gebt. So findet ihr heraus, was euch liegt und was euch nicht so liegt und könnt Stück für Stück ein bisschen besser werden und euch ein bisschen wohler fühlen. Und das macht ganz viel aus: Man spürt, wenn ihr euch wohl fühlt.

Anna-Lena Kümpel
Anna-Lena Kümpel
Anna-Lena ist Moderatorin für Business Events und hat die Modschool gegründet, um Business-Starter:innen ihren Weg zum erfolgreichen Moderations-Business zu erleichtern.

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